Interview: The Tim

Wenn viele Bands an einem Abend auftreten, für lau und mit Gratisgetränken dann nennt man das wohl Rodeostar Showcase. So kam es, dass Mañana, The Bianca Story, Andrew Paul Woodworth und The Tim am 13.09.2008 im Frankfurter Nachtleben auf der Bühne standen und die Massen von sich überzeugen sollten. Das taten sie auch, aber leider nicht vor Massen. Damit das aber wenigstens bei einem Teil in Zukunft so wird, setzte ich mich mit The Tim, also Tim, in den Tourbus. Dieser wurde während des Gesprächs von mehreren zwielichtigen Gestalten umrundet und begutachtet. Wir wiegten uns, dank Zahlenschloss und verdunkelten Scheiben, in Sicherheit und erzählten einfach über Astra Bier, Udo Lindenberg und auch über die Musik von Tim:

Während der nicht versierte Biertrinker Tim, der am Astra eigentlich nur die Flasche mag, die Maurerknolle wie ich gelernt hab, mir von Hamburg-Bier erzählte, freuten wir uns, dass wir in dem Bus nicht gesehen werden können. Wegen der schon erwähnten Halunken, die sich um den Bus tummelten. Zwischen Musik-Fragen tummelte sich die ein oder andere Dummlaberei ;) :
Tim: Deshalb fahren wir auch alle nackt.
Maria: Außer euer Fahrer.
Der fährt auch nackt.
Deshalb auch der Stau vorhin?
Ja, wahrscheinlich.
(Verwirrtes in den herumliegenden Aufklebern Rumgewühle meinerseits. Ich bemerkte, dass mich der Name „The Bianca Story“ an „The Juliana Theory“ erinnert.)
Ich bin nicht so der Indie-Nerd.
Eher Grönemeyer, oder was?
Die „Bochum“ ist ne tolle Platte und auch Lindenberg mag ich ganz gern. Also „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ ist großartig. Ich brauch eigentlich nur die ersten drei Weezer-Platten und das weiße Album der Beatles, den Rest kannst du mir eigentlich wegnehmen. In letzter Zeit hab ich mich wieder in Bad Religion verliebt. Erschreckend, ich weiß. Das hab ich das letzte Mal mit 17 gehört. Das ist Beatles in 10facher Geschwindigkeit, das ist wahnsinnig gut. Man muss denen eine Chance geben, auch wenn das Logo der einen Platte beschissen ist.
Manchmal sollte man Bands mal ne Chance geben. Mir geht es auch öfter so, dass ich sage „nee, die nicht“ und dann entdecke ich sie später für mich.
Du bist ja sicher in der glücklichen Lage, viel geschenkt zu bekommen.
Naja, da ist oft auch Mist dabei und die richtig großen Sachen bekommen wir nicht. Hörst du denn viel Musik?
Nein, eigentlich nicht. Ich hab auch kein Ipod oder hör auch nicht unterwegs über Kopfhörer Musik. Mich stört es auch, wenn jemand in der Bahn neben mir Musik hört. Vor allem laut übers Handy. Das ist meist auch so schlimme Musik. Also nicht Beatles oder so was, sondern schlechter HipHop.
Sido „Ich fick deine Mutter“ oder so?
Nichts gegen Sido. Ich hatte das erste Tape von ihm „Bordstein zur Skyline“ oder wie das hieß. Ein Freund von mir hat das mal kopiert auf Kassette und ich fand das groß. Das ist gar nicht so lustig, der meint das wirklich ernst.
Das find ich ja schlimm dran. Dieses neue Lied…hmmm, wie heißt das? Michelle?
Carmen. Sido kann ja schon rappen und der reimt sehr gut. Kennst du Olli Banjo aus Aschaffenburg? Der sagt von sich, dass er der deutsche Eminem wär. Und ich find, dass das stimmt. Deutscher Rap hat mir das echt angetan.
Ich hab mich noch nie so richtig mit HipHop beschäftigt, aber als bei uns in Marburg die Demos gegen Studiengebühren waren, ist immer so ein Wagen mit Musik mitgefahren und dort lief dann wirklich gesellschaftskritischer, frauen- und schwulenfreundlicher Rap, was ich dann auch wirklich gut fand.
Dieses homophobe ist oft Klischee und Pose, es gehört irgendwie dazu.
Naja, wie find, dass es das nicht sollte.
Mir geht’s da auch mehr um die Reime. Deutsche Indie-Musik bekommt das nicht so gut hin. HipHop macht was revolutionäres mit der deutschen Sprache. Sie setzen die Sprache so hart um, wie sie scheinbar ist. Ich würde das gern können. Dann wär ich jetzt vielleicht schon erfolgreich.
Deutscher HipHop ist vielleicht einfacher, weil dort die Härte der Sprache eben gut genutzt werden kann. Dagegen sollte einige deutsche Indie-Bands nicht mehr Musik machen oder es mal auf Englisch versuchen..
Da entsteht dann dieses Fremdschämen für Texte, oder? Es finden bestimmt auch einige Leute meine Texte scheiße. Über „Primaballerina“ kann man streiten. Ich wollte nen Song schreiben, wie von Stefan Waggershausen „Zu nah am Feuer“. So ein 80er/90er Jahre Superhit. Ich wollte auch so unsinnige französische Wörter in ein Lied einbauen, was mir ausgezeichnet gelungen ist, also unsinnige Ballettbegriffe im Song zu platzieren.
(Tim Spiel mit Metallica-Aufkleber rum.)
Wir haben gestern in einem Club gespielt, wonach eine Metallica-Release-Party steigen sollte. Das hat natürlich richtig gepasst, denen hat unsere Musik richtig dolle gefallen. Wir spielen heut so wie wir sind zum fünften Mal, also es ist unser fünftes Konzert zusammen. Es klappt ganz gut, die Viererkette steht.
Habt ihr vorher schon mal irgendwie zusammen Musik gemacht?
Ben, unser Bassist, und ich haben ja fünf Jahre zusammen gewohnt. Seit zwei Jahren wohnen wir nicht mehr zusammen. Vorher haben wir nicht viel Musik miteinander gemacht, nur Wettgitarrensolospielen bis der Nachbar sich beschwert. Wir haben erst Musik gemacht, als wir nicht mehr zusammen gewohnt haben.
Euer Flur stand voll mit Gitarren, oder? Was hast du mit der Gitarre gemacht, die verschwunden ist?

(Vor, wahrscheinlich auch während und sicher auch nach dem Konzert war Tim verzweifelt auf der Suche nach einer seiner Gitarren)
Unser Flur war ein Gitarrenschrottladen. Ich hab aus der Gitarre alles ausgebaut. Das ist so eine total billige Yamaha-Gitarre, ich hab da nen anderen Tonabnehmer reingebaut und alles andere mit Gaffer abgeklebt. Aber die hat trotzdem einen extrem guten Klang, sieht aber extrem schlimm aus.
Bis du da bewandert?
Nö, habs auch ein paar mal falsch zusammengelötet. Löten ist nicht mehr meins.
Was hast du gemacht, bevor du mit der Musik angefangen hast?
Ich bin offiziell noch bei der Uni eingeschrieben, aber ich war schon nen Jahr nicht mehr da. Ich hab immer fleißig meine 800 Euro bezahlt.
Also Studiengebühren?
Ab nächstem Semester wird’s wohl halbiert, wegen den ganzen Klagewellen.
Ich hatte Glück gehabt, mit Urlaubssemester bin ich kostengünstig bis ans Ende meines Studium gekommen
Es steht ja leider auch keiner mehr auf. Was ich nicht verstehen konnte war, dass dort morgens schon Leute mitdemonstriert haben, die volltrunken waren. Wie soll man denen denn glauben, was sie tun oder wollen?!
Suspekt war mir vor allem der Schwarze Block
Extrem ist immer scheiße. Ist ja auch die Frage, ob die Leute wirklich studieren oder einfach nach Hamburg kommen, um nen bissl Krawall zu machen. Also ’68 ist das nicht. In Hamburg gibt’s ja immer diese 1.Mai Sache oder das Schanzenfest. Da kann man fast die Uhr nach stellen, dass gegen 23 Uhr die Wasserwerfer ankommen. Vor der Roten Flora spielt dann meist noch ne Band und dann gibt’s Krach. Das ist jedes Jahr das gleiche.
Jetzt mal was anderes: Was hat es denn mit diesem Kaktus und der Stehlampe auf MySpace auf sich?
Das ist sozusagen das Innenleben meines Zimmers. Ich wohn ja ziemlich spießig in Eimsbüttel. Das ist ne Wohnung von nem Freund, weshalb ich mir das auch leisten kann, aber so habe ich wenigstens Balkon. Und die Figuren stehen wirklich in meinem Zimmer. Die CD ist ein Digipack, wenn man das aufklappt, dann sieht man mein Zimmer. Ist auch nen bissl geklaut von Weezer, bei denen in der ersten Platten deren Proberaum abgebildet ist.
Du hast mal gesagt, dass du dich als Mischung aus Weezer, Münchner Freiheit und Megadeath siehst.
Das ist auch nach wie vor mein großer Ernst. Das sind drei wahnsinnig gute Popbands. Selbst Megadeath, die poppigste Metalband. Ich war vor kurzem mit einem Freund bei denen aufm Konzert, er hatte ein schwarzrosa-gestreiftes und ich ein hellblaues Polohemd an und wir haben uns so fehl am Platz gefühlt. Aber es war ein großartiges Konzert. Und Münchner Freiheit mag ich total gern. Die sind für mich die deutschen Beatles. Das klingt furchtbar, ist halt so 80er, viel zu weiß.
Ich find das gar nicht so furchtbar. Die hatten nen Händchen für geniale Melodien
…und Texte: „Herzschlag ist der Takt schubidu, und ich tanz dazu“. Wie groß!
Vom Text sind die nicht schlimmer als Virgina Jetzt, da strotzt es ja teilweise auch vor Schleim.
Mit der Aussage bin ich das erste mal zu Franz ins Studio gekommen. Er dachte: „Was ist das fürn kleiner Spinner“. Dann haben wir zusammen Gitarre gespielt und danach hat er gemerkt, dass wir so weit davon gar nicht weg sind.
Das ist mit deutscher Musik auch recht schwer in die…
…Indie-Falle zu tappen?
Ja, erstens die Indie- aber auch die Schlager-Falle.
Die Texte sind ja auch so in Richtung Schlager. Der Habitus ist ein anderer. Aber „Klopf an mein Herz“ ist auch Schlager. Ich find Schlager gar nicht so schlimm. Der Wendler oder ähnliches ist schlimm, aber klassischer Schlager kann toll sein. Lass dir mal so was wie „Mendocino“ einfallen, ein Welthit. Schaff mal nen Lied, dass 30 Jahre präsent ist. Heute ist das sogut wie unmöglich.
Die Toten Hosen haben das vielleicht noch geschafft. „Alles aus Liebe“?
Was leider überbleibt, ist wohl „10 kleine Jägermeister“.

(Wir beäugen wieder die Leute außerhalb des Busses)
Der Busfahrer schläft hinten im Bus, der würde mitbekommen, wenn sein Bus geklaut werden würde.
Was ein Leben! So besonders angenehm ists doch nicht, die ganze Zeit mit diesem Bus und so vielen Menschen unterwegs zu sein, oder?
Also der Busfahrer hätte es auch besser haben können. Wir sind ja keine coolen Rockstars wie Motley Crue, die mit Koks und Nutten unterwegs sind.
Wie wars denn bisher mit den Leuten und die Resonanz?
Wär schon schön, wenn mehr Leute kommen würde. Wir waren in Leipzig in einem wahnsinnig schönen Laden, dem „Bärenzwinger“. Leider waren da nur 60 Leute, es sind halt Semesterferien und wir treten im Studentenclub aus. Das sind dann so erweiterte Proben. Ich funktionier nicht gut, wenn wenig Leute da sind. Ich kontrollier dann jeden meiner Schritte, wenn 30 Augenpaare mich anschauen. Man muss ja jeden anschauen dann. Ich kann meinen Kopf nur ausschalten, wenn mehr da sind.
Du warst als Support von Lotto King Karl unterwegs?
Man kann von ihm und seinen Texten halten was man möchte. Fakt ist, er ist ein ganz netter Typ, sehr intelligent, klassisches Einser-Abitur. Der versteht unheimlich viel von Musik, liebt diese und hat extrem viele Platten daheim. Der gibt den Leuten immer das was sie wollen. Ich hab bei ihm aufm Wehnachtskonzert gespielt, das war ganz hartes Publikum, so HSV-Publikum. Der hat den Grönemeyer-Status in Hamburg. Der schätzt mich und dann durfte ich bei dem spielen. Wäre vielleicht sinnvoller gewesen, wenn ich als Support für Wir sind Helden gespielt hätte, aber wenn es nicht aufm Volksfest endet, geht’s auch. Da endet man dann, wenn man einen halbwegs großen Hit hatte, den man dann immer wieder und wieder runterrattern muss.
(Telefonklingeln, Showtimefragen übers Telefon von Schlagzeuger Achim)

Wen würdest du denn gern mal supporten, also ein Traum-Support?
Na Weezer natürlich. Ich hab Udo Lindenberg auch schon ein paar Mal gesehen, aber der wär einer der jenigen, bei denen ich kein Wort rausbringen würde. Aber Weezer das wär ein Traum. Im Prinzip spielen wir ja Weezer, nur auch deutsch. Wir haben auch ne Weezer-Coverband, „Wieser“. Wir hatten auch schon drei Auftritte, Hamburg – München – Hamburg. So ne klassische Geburtstags-Coverband.
Ein zweites Standbein, damit du auch später Benz fahren kannst.
Ja, genau. Bei Lindenberg wurde angefragt, aber der macht ja kein Support. Vielleicht mal Silbermond.

(Die Aufnahme stoppt, was ich erst nach ein paar Minuten merke. So steigen wir ein an den feuchtfröhlichen Abenden zuvor. Ben sah an jenem Nachmittag so aus, als hätte er nicht geschlafen/viel gefeiert.)
Diese ganze Showcase-Tour lohnt sich natürlich finanziell nicht viel. Freier Eintritt, kostenlose Getränke, Merchandising schmeist auch nicht viel ab.
Wen würdest du denn als Support mal mitnehmen?
Ich steh total auf The Thermals, die würd ich mitnehmen. Und wenn ich ne Plattenfirma wär, dann würd ich die unter Vertrag nehmen. Obwohl die ja trotz Label so klingen, als würden sie ausm Keller spielen. Ich bin ein großer Fan von HiFi-Aufnahmen, find sind schlimm wenn man jedes Instrument hört. Ich würde „The Who“ lieber mögen, wenn sie heute ne Platte aufnehmen würden. Diese ganzen 60er-Beatbands würden heute ncoh viel geiler klingen.
Deine Platte ist ja auch sehr fett produziert.
Die ist hochgradig überproduziert. Warum nicht die digitale Technik nutzen, die da ist. Ich hab auch Vinyl-Platten, aber mir fehlen dann doch die letzten Hertz, die sonst ne CD wiedergeben kann, wenn man gute Boxen hat oder Ohren wie ne Fledermaus. Ein Plattenspieler ist Ohrenbetrug. Da geht’s eher um die Haptik.
Da konnte man dann eigentlich noch mehr mit so einer Picture-Vinyl punkten oder mit einem guten ArtWork.
Wir haben uns auch extrem Mühe mit dem ArtWork gemacht. Wir arbeiten mit einer kleinen Werbeagentur zusammen. Die hab ich auch ganz schön genervt. Ich mal denen das auf, was ich mir vorstelle und ich bin einer der schlechtesten Zeichner. Ich mal das dann auf, wo was hinsoll im Cover.
Bist du auch so perfektionistisch bei deiner Musik?
Ich hab mich da in die Arme von Franz begeben. Wenn man jemandem trauen kann, dem man vertrauen kann, dann klappt das gut. Wir haben ähnliche Ideen, die er oft einfach früher ausgesprochen hat. Oft sagt er auch, was gar nicht passt. Ich bin auch ein großer Freund der Schlagerterz, auf der Platte wurde die vollkommen rausgenommen, aber auf der Bühne geht die wieder.
Die Texte schreibst du aber selber bzw. ganz allein?
Ja. Aber manchmal ändert sich was an den Liedern, da wird dann auch ein Copyright drauf gesetzt. Einmal hat Franz mir ein Song gestrichen, weil er den Song so scheiße fand.
Und es geht eher um Spaß, als um eine bestimmte Message?
Es geht um Mädchen. Ich bin totaler Fan von Mädchen und Gitarren. Mehr brauch ich nicht zum Glücklichsein, gut Zigaretten und Bier noch. Sind eigentlich alles irgendwie Liebeslieder. Auch „Tief auf dem Grund“ dreht sich am Ende darum, dass es am Ende alles wieder gut wird. Also ich schreib jetzt keine Lieder gegen Krieg. Es ist nicht an mir, politische Lieder zu schreiben. Die einzige Band, die das darf, wofür man sich nicht schämen muss, sind „Ton, Steine, Scherben“. Der Rest ist eher so Stumpfpunk. Ich mag Stumpfpunk auch. Wir haben noch ne Zweitband gegründet: „Leichenfinger aus Peine“. Das ist ein grandioser Bandnahme.
Das klingt eher wie ne Hardcoreband, wie „Dackelblut“ oder so.
Die sind super. Wie heißt denn die Band aus Wetzlar?
Boxhamsters
Wie gut sind die denn! Diese „Demut und Elite“ ist eine meiner zehn liebsten deutschen Platten. Bei denen ist es auch nicht schlimm, dass die manchmal peinliche Dinge machen. Ich mach vielleicht auch peinliche Sachen, in Interviews werde ich oft drauf angesprochen, dass meine Texte zu offen sind. Vielleicht find ich das selbst nicht mehr, weil ich damit fertig bin. Keine Ahnung, ob das Selbsttherapie ist. Mir fallen oft Schnipsel ein, dann setz ich mich aufs Klo und sing das, nehm das auf oder schreib mir ne SMS. Wenn mein Handy weg ist, kann ich mich eingraben.
Bist du großer John Lennon Fan? Ich spiel auf den Song „Singen wie John Lennon“ an.
Nicht unbedingt. Ich hab mal ein Lied für nen Mädchen geschrieben, dass dieses Lied nicht gut fand und meinte, ich würde wie Bob Dylan klingen. Das geht gar nicht!
In den Songs geht immer um erlebte Dinge, oder wie ist „Dein Freund sieht aus wie ein Mädchen“ entstanden?
Ja, es geht schon um Erlebtes, um meine Innen- und Außenwelt. „Du siehst aus wie ein Mädchen“ ist genauso geschehen. Es gibt auch den Typ, der bei ihm schläft. Ich hab den aber lang nicht gesehen, wir mögen uns einfach nicht. Keine Ahnung, ob er das Lied kennt. Es gibt in Hamburg diese klassische Indie-Szene, wo Ben und ich uns oft rumgedrückt haben. Da gibt’s den Revolverclub, das Knust, da waren wir einmal im Monat. Aber seit Jahren sind wir nicht mehr da. Das ist so ein großes Schaulaufen, so von wegen „Ich hab mit Thees Uhlmann gesprochen“.

(Nach einer kleinen Unterbrechung durch Tourmanager Chris, unterhalten wir uns über die Mitbands)
Sehr nett mit denen allen. Aber ich hab ne Weile gebraucht, um die ganzen Namen zu wissen. Bei den Schweizern hab ich das an den Mädels unterschieden. Sind ja die einzigen, die dabei sind, die Ärmsten. So viele Jungs auf einen Haufen stinken in so einem Bus ganz schön.
Aber so schlimm riechts hier unten jedenfalls nicht, vielleicht ja oben.
Kannst gern oben noch mal riechen gehen.
Nee, lass mal!
Wie lang ist denn hier in Frankfurt die Welt auf?
Naja, nicht so dolle. Frankfurt ist schon zu, jetzt um sechs. Ich wollte zum Kleidermarkt hier um die Ecke, aber der hat schon um fünf zu gemacht.
Billig ist der ja auch nicht. Genauso wie der Laden „Vintage & Rags“, ein Second-Hand für Originalpreise, in der kurzen oder langen Mö. Echt cooler Laden, aber nicht günstig.

(Wir schweifen ab, kommen auf Auftrittsorte, auf Hardrock-Shirts, Heidelberg, bekleckerte Pullis und das Tourleben mit Jan und Ben)

Locker flockig gingen die vierzig Minuten um wie nix. Wir suchten noch nach der verschwundenen Gitarre, schossen Bilder und verließen den Bus ohne dass wir von den komischen Typen angezischt worden wären. Später spielten sie dann ihre vierzig Minuten Konzert, die dreißig erschienenen Gäste waren verhalten, wie eigentlich den ganzen Abend. Aber was sollte man erwarten von einem Publikum, was die anwesenden Bands kaum kannte. Um die Langeweile auf der Bühne zu vertreiben, ließ Ben die Hose runter, schaffte es, nicht über sie zu stolpern sich aber dennoch zu bewegen. Später verschwand Tim umringt von Mädchen im dunklen Bauch des Cave und der Rest setzte sich gemütlich in einen Irish Pub. Schöner Abend mit Wein, Weib und Gesang.

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