Interview: Cargo City (Simon Konrad)

Schon etwas länger zurück liegt es, dieses Telefoninterview mit Simon Konrad alias Cargo City. Nun ist es nicht mehr lang hin bis zur Veröffentlichung ihres zweiten Albums „on.off.on.off“ und ihre Tour steht auch fast bevor. Worauf man sich freuen kann, erfahrt ihr hier:

Hey Simon!
Simon (Cargo City): Hey!

Wie gehts dir? Grad schon im Tourstress?

Nee, wir waren im Oktober auf Tour. Seitdem haben wir eher Einzelkonzerte gemacht. Die längere Tour gibt’s erst wieder im Mai.

Tour heißt dann nur am Wochenende oder gibt’s dafür Urlaub?

Meist geht’s halt am Wochenende auf Tour. Wir verbinden das mit unseren eigenen Feieraktivitäten, was ja auch viel schöner ist. Unter der Woche müsste ich für Konzerte Urlaub nehmen. Nur die zwei die studieren, sind da nen bissl freier. Aber für die Tour im Mai gibt’s dann auch nen bissl Urlaub. Im Mai spielen wir ja auch in Hamburg, in der Ponybar. Die veranstalten Montags Konzerte und da werden wir dann sein. Die Leute sind spitze. Hamburg wär auch so die erste Option, wenn ich nicht in Frankfurt leben würde. Ich würd sogar sagen, international die schönste Stadt.

Ihr habt ja jetzt nach der EP das erste Album draußen. Hast du ne Idee, wo das hinführen soll?

Es wär natürlich nen Wunschtraum, dass da mehr draus wird, aber in dieser Zeit ist das eher unrealistisch, irgendwann davon leben zu können. Ich bin Sozialpädagoge, arbeite in einer Gruppe für schwer erziehbare und hab da ne 70%-Stelle und deshalb kann ich das gut mit der Zeit verbinden, die ich fürs Studio oder für Konzerte brauch. Wir sind grad dabei, unser nächstes Album aufzunehmen, was im Mai rauskommen soll. Es wird nicht mehr ganz so poppig, sondern ne ganze Ecke rauer.

Was macht für dich denn der perfekte Song aus? Poppig, rau?
Oh, schwierig. Ich hab ihn noch nicht gefunden. Ich weiß auch gar nicht, ob es den gibt. Wenn ich einen Song schreib, weiß ich, ob ich ihn mag. Das wär vermessen zu sagen, dass ich die perfekte Musik geschrieben hab. Er muss berühren.

Gibt’s annähernd perfekte Songs?
Das ist unterschiedlich, je nach Stimmung. Mir bedeuten Glasjaw viel, momentan find ich Beirut fast perfekt. Das ist eher ruhig. Der Typ verbindet verschiedene Volksmusikstile – französische, spanische mit ner schönen Stimme.

Der Vorteil von Cargo City ist ja, dass ihr auf englisch singt, bzw. du auf englisch singst.
Das ist zwar nen Vorteil, aber bekannter werden wir dadurch ja nicht. Wir haben zwar schon im Ausland gespielt, aber nach England oder so schauen wir gar nicht, weil man dafür einfach wahnsinnig viel Glück braucht, dort bekannt zu werden. Auch wenn du nen Major-Label hinter dir stehen hast, heißt das ja nicht, dass du viel Geld machst. Kaum jemand kauft ja noch die Musik.

Da muss man sich Nischen suchen, worüber man seine Musik noch an den Mann bringen kann.
Ja, viel läuft ja heut über die Live-Verkäufe. Aber trotzdem ists nen langer und steiniger Weg, bis man sich von der Musik ernähren kann. Das find ich aber auch nicht schlimm. Das ist das schönste Hobby was es gibt, besser als Fußballspielen. Hier hängt mein Herz dran und wenn es möglich wär, würd ich das als Job machen wollen. Man muss seinen Idealismus in den Vordergrund stellen. Es macht einfach Spaß, auf der Bühne zu stehen, im Auto zu sitzen, aufzunehmen. Man darf sich nicht ins Boxhorn jagen lassen und den Spaß an der Sache nicht verlieren. .

Machst du mit deinen Kids auch Musik?
Naja, eher im Rahmen von Weihnachtsfeiern oder so. Leider liegen unsere musikalischen Interessen da auch etwas weiter auseinander. Die stehen halt eher auf HipHop. Aber zwein bring ich auch Gitarre bei. Wir haben auch schon nen HipHop-Spong aufgenommen oder auch nen Hörspiel mit musikalischer Untermalung gestaltet. Den HipHop-Song haben wir auf ner Weihnachtsfeier aufgeführt; ein paar Jungs konnten gut Beatbox, ich hab dazu Gitarre gespielt. Und es war gut für die Jungs, dass sie mal merken wie das ist, auf einer Bühne zu stehen. Da waren sie plötzlich so klein mit Hut. Man kann schon einiges machen, aber auch nicht immer.

Du wohnst ja momentan in Frankfurt, wo hast du denn deine Wurzeln und deine Band her?
Ich bin erst vor 2 Jahren nach Frankfurt gezogen. Ich war vorher eher in Darmstadt ansässig. Die alte Cargo City-Besetzung kommt aus Bensheim. Wir proben leider sehr selten, da einer von uns in Köln wohnt.

Ihr seid also Naturtalente?
Naja, da geht live auch schon ne Menge schief. Live-Auftritte sind dann fast die besseren Proben. Wir haben leider alle recht wenig Zeit zum Proben. Für die neuen Songs müssen wir dann wieder üben. Die kennen die neuen Songs auch noch nicht. Mal sehen, wie sie die finden.

Deine Alte Band „Siamese“ aus Darmstadt gibt’s aber nicht mehr?

Nee, schon lange nicht mehr.
Bist du damals ausgestiegen und hast dein eigenes Ding gemacht?
Nein, eigentlich lief das alles recht parallel. Ich war schon damals der Songwriter für „Siamese“. Da gibt’s ne lustige Geschichte: Damals hat uns ein Typ angeschrieben, ein Verleger und Produzent, der für DJ Bobo, Culturebeat und Captain Jack gearbeitet hat. Der hatte uns im Internet entdeckt und fand unsere Musik toll. Er wär auch nen Rockertyp und er meinte, ich soll etwas akustisch aufnehmen, dass er sich nen Bild machen kann, ob die Songs stark sind. Das haben wir ihm geschickt und wir haben ne wieder was von ihm gehört. Meine Schwester meinte aber, dass sie die Songs ohnehin supergut findet und dass ich da mal was machen sollte. Ich hab mir dann nen MySpace-Account gebastelt, ein paar Songs hochgeladen. Mit der anderen Band gings dann auseinander, weil zwei von denen nach Köln gezogen sind. Dann hat mich ein Produzent bei MySpace entdeckt und mich in sein Studio eingeladen. Mit dem arbeite ich heute noch zusammen. Wir verstehen uns auch auf der menschlichen Ebene total und haben auch ähnliche musikalische Vorstellungen und Visionen. War vielleicht auch mein Glücksfall, dass 2006 MySpace noch nicht so weit verbreitet war.

MySpace ist ja schon ne gute Sache, man kann ne Menge guter Bands dort entdecken, nur leider gehen auch viele unter in der Masse.
Ja, leider. Ich zum Beispiel hab Beirut dort entdeckt oder Silversunpickups aus USA. Läuft ja auch viel über Mund-zu-Mund-Propaghanda. Aber ist nicht mehr wegzudenken.

Hast du denn nen Musiktipp für mich aus deiner Umgebung?

Ja, eine Band aus Rodgau hätte ich als Tipp: Trip Fontaine. Die sind auch schon bekannter und der Sänger singt mit auf der neuen Platte. Die wohnen aber mittlerweile alle in Berlin.

Da ziehen momentan ja alle hin.
Jeder der denkt, dass er nen bissl was künstlerisch kann, zieht nach Berlin. Ich will hier gar nicht weg, weil ich mich ganz wohl fühl. Hab ja meine Freunde, meine Familie und meine Band hier.

Was magst du an Frankfurt?

Gibt nen paar nette Clubs, aber ich glaub es liegt auch nicht so genau an der Stadt, sondern eher an den Menschen, an den Freunden, die ich hier hab.

Home is where your heart is.
Genau.

Dann wünsch ich dir noch einen schönen Abend und hoffentlich sehen wir uns auf Tour!
Sag einfach Bescheid.
Danke für deine Zeit und bis bald.
Ja, danke auch. Bis bald. Tschüss.

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