Im Rahmen ihres Konzerts in der Kölner Live Music Hall im März 2011 trafen wir die White Lies zum Interview. Für die Leser von hurricanebar.de haben wir die drei Londoner Jungs, Harry McVeigh (Sänger der Band, Gitarre), Charles Cave (Bass) und Jack Lawrence-Brown (Drums) zu ihren beiden aktuellen Musik-Videos befragt.
Weshalb habt ihr euch dazu entschieden, für eure beiden Singles „Bigger Than Us“ und „Strangers“ solch aufwändige bzw. extreme Videos zu drehen?
Jack: Wir wollten damit bei so vielen Leuten wie möglich Aufmerksamkeit erregen. Wir beabsichtigten, dass die Leute über die Videos diskutieren. Je interessanter ein Video ist, desto interessanter wird der Song für den Betrachter. Besonders das Video zu „Bigger Than Us“ unterstreicht diese These und hat uns viel Aufmerksamkeit gebracht. Mittlerweile wurde es innerhalb weniger Monate im Internet schon fast 3 Millionen Mal angeschaut. Gleichzeitig denke ich, dass es ein wirklich cooles Video ist. Dabei hat es nicht einmal so viel Geld gekostet, wie man annehmen würde. Wir hatten kein großes Budget dafür. Wir haben es in Rumänien gefilmt, wo es sehr günstig ist, ein Studio anzumieten und zu drehen. Das war eine wirklich tolle Erfahrung. Die Kids aus dem Video sind übrigens lokale Fernseh-Schauspieler.
Harry: Wir wollten ein Video, welches einen Ausschnitt aus dem Film ET-Der Außerirdische wiedergibt, der zu seiner Zeit einer der teuersten Filme gewesen ist. Wir hatten uns hierfür also eine große Herausforderung ausgesucht. Dafür hatten wir nicht einmal viel Zeit, denn wir kamen gerade aus Mexiko und sind direkt nach Rumänien geflogen. Dort haben wir dann zwei Nächte und einen Tag lang hindurch gedreht. Das hat sich auch gelohnt, denn es ist ein wirklich toller Clip geworden, der genau das wiedergibt, was wir uns von ihm erhofft hatten. Die Leute wissen noch immer nicht genau, was es bedeutet und ich denke, dass nicht mal ich das kann genau sagen kann. Aber es tut das, was es soll, nämlich gut aussehen. Die Band sieht darin auch gut aus und es ist visuell anregend. Es weckt die Neugierde der Zuschauer.
Das gleiche gilt für unseren Clip zu „Strangers“. Hier ist es auch offensichtlich, dass er auf der Basis eines niedrigen Budgets entstanden ist. Auch hier war die Idee dahinter, Diskussionsstoff zu liefern, persönliche Rituale einiger Leute zu enthüllen und damit der Welt zu zeigen, dass diese Leute sich nicht dafür schämen. Der Clip liefert ein interessantes Fenster in das persönliche Leben einiger Menschen.
Handelt es sich bei den Personen im Video um Schauspieler oder wahre Charaktere?
Harry: Es sind alles wahre Persönlichkeiten und keine Schauspieler. Unser Regisseur hat jemanden gefunden, die in den Kreisen der Fetisch-Szene ziemlich bekannt ist. Sie hat Kontakt zu den verschiedenen Charakteren aus dem Video aufgenommen und sie haben sich dann für den Clip größtenteils selbst mit ihren Webcams in Szene gesetzt. Schließlich hat unser Regisseur all das zusammengefügt und ich denke, dass somit ein tolles Video entstanden ist. 
Weshalb habt ihr zusätzlich dazu die Seite www.weareallstrangers.com ins Netz gestellt?
Jack: Die Seite ist eher witzig gemeint, soll den Fokus auf die Musik legen und keinesfalls anzüglich wirken. Sie ist ein kleines Fenster in die Welt des Internets. Es ist einfach eine nette Idee, die dahinter steckt. Wir mochten bereits die Idee von Arcade Fire, die in einem interaktiven Video zu ihrem Song „The Wilderness Downtown“ (thewildernessdowntown.com) die Fans animieren, ihren Wohnort einzugeben, der dann via Google-Streetview im Videoclip auftaucht. Wir fanden das sehr attraktiv, denn man kann seinen eigenen Beitrag leisten und somit das Video personalisieren.
Nochmals zurück zum „Bigger Than Us“ Clip. Wo genau ist er entstanden?
Harry: Er entstand in einem Studio, das von einem ehemaligen rumänischen Diktator für seine Tochter gebaut wurde. Sie wollte nämlich ein berühmter Filmstar werden. Der Studiokomplex ist wirklich riesig. Dort existieren eine wahre Kleinstadt sowie eine Miniaturausgabe des Eiffelturms. Das mutet alles ziemlich seltsam an. Wir haben dem Ganzen aber nicht allzu große Beachtung geschenkt, sondern uns auf den Dreh zu unserem Video konzentriert. Zudem waren wir total müde.
Aber Harry, du scheinst auch ein guter Schauspieler zu sein…
Harry: Nein, nicht wirklich. Ich hatte ja zum Glück keine Sprechrolle! Ich musste eigentlich nichts anderes tun, als herumzulaufen und den Song zu singen.
Und wie oft musstest du das Mädchen aus dem Haus tragen?
Harry: Das waren schon einige Male! Es war auch nicht ganz einfach, denn sie war ziemlich schwer. Sie war zwar nicht dick, aber hatte schon ein ganz schönes Gewicht. Das schwierigste an der ganzen Sache war jedoch, den Schokoriegel aufzubrechen. Da war das Tragen des Mädchens harmlos gegen! Der Riegel bestand nämlich aus Schokolade und Beton. Die Schokoladenschicht war ziemlich leicht zu durchbrechen, aber die Zementschicht hat mir dann doch ganz schöne Schwierigkeiten bereitet.
(Das Interview führten Mirjam Kolb & Manuel Schreiner)
Und jetzt viel Spaß beim Gucken der Clips!!
White Lies — Strangers – MyVideo
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