Das neue Album „A Different Kind Of Fix“ der Londoner Jungspunde Bombay Bicycle Club steht ab Ende August 2011 auch hierzulande in den Plattenläden. In ihrer Heimat werden die 4 Jungs schon heiß gehandelt und auch bei uns sprach die ausverkaufte Clubtour im Juni für sich. BBC-Frontman Jack Steadman trafen wir im Vorfeld zur Album-VÖ Nummer 3 zum Interview. Als skurrile Location hatte sich der Herr einen Frankfurter Friedhof ausgesucht.
Wie und wann bist Du der Musik gänzlich verfallen?
Das muss im Alter von 14 Jahren gewesen sein als ich meinen Freunden in der Schule bei einem Bandauftritt zusah. Für mich sah das nach jeder Menge Spaß aus. Ich überlegte mir, falls ich in einer Band spielen würde, würde ich aber nicht Gitarre spielen wollen, da dies so gut wie alle taten. Außerdem malte ich mir schlechtere Chancen aus, in eine Band zu kommen und entschied mich, etwas Außergewöhnlicheres zu tun. Niemand wollte damals Bass spielen, also entschloss ich mich, diese Herausforderung anzunehmen. Ich nahm ein Mal pro Woche Bass-Unterricht und so fing alles für mich an…
Wie kam es, dass Ihr Eure Band nach einer Indischen Restaurantkette in London benannt habt?
Wie waren damals noch recht jung und zu faul, uns einen gescheiten Bandnamen auszudenken. Wir befanden uns in einem Taxi und fuhren gerade an einem dieser Restaurants vorbei. Da dachten wir: „Cool. So nennen wir unsere Band!“ Und so geschah es…
Magst Du denn auch leckeres, würziges, indisches Essen?
Ja, ich esse sehr gerne Indisch. Aber nicht in den Restaurants des Bombay Bicycle Club. Die sind kulinarisch nämlich nicht so toll. Sie haben uns einmal aufgrund unseres Bandnamens zu einem kostenlosen Essen eingeladen. Früher war das Essen dort wirklich gut, aber seit einiger Zeit geht es bergab. Heute würde ich in ein anderes indisches Restaurant essen gehen. Das Diwana Bhel Poori House in der Drummond Street in London ist echt klasse. Das ist mein Geheim-Tipp für die hurricanebar.de Leser. Am liebsten esse ich dort das süd-indische Masala Dosa – ein vegetarischer Kartoffel-Fladen.
Habt Ihr schon einmal in Erwägung gezogen, einen Gig in Indien zu spielen?
Das hatten wir in der Tat schon geplant. Wir wollten dort auf einem Festival auftreten. Dieses wurde jedoch abgesagt. Wir dachten uns im Vorfeld, dass es egal wäre, ob dort jemand unsere Musik kennt – sie wären trotzdem gekommen, um unser Konzert im Rahmen des Festivals zu sehen. Selbst wenn sie von unserer Musik enttäuscht gewesen wären, hätten wir immerhin vor Publikum gespielt sowie einen kostenlosen Trip nach Indien genossen. Leider ist es ja nicht passiert. Ich bin mir auch unsicher, ob es in Indien tatsächlich einen Markt für unsere Art von Musik gibt. Vielleicht noch am ehesten in Mumbai, denn dort gibt es ein Nachtleben. An anderen Orten stelle ich mir das ziemlich schwierig vor, aber natürlich geben wir die Hoffnung nicht auf. Ich würde auf jeden Fall gerne mal dorthin reisen.
Gibt es denn ein anderes Land in dem Du schon immer mal auftreten wolltest, bislang aber noch keine Gelegenheit dazu hattest?
Ich würde gerne einmal einen Gig in Hongkong oder irgendwo in China spielen. Eigentlich möchte ich immer genau dort spielen, wohin ich einmal verreisen will, denn dann wäre die Anreise wenigstens kostenfrei für uns. Vor ein paar Jahren waren wir mal in Tokio, dahin würde ich ebenfalls gerne wieder zurückkehren und mit den Jungs von BBC auftreten. Das ist auch der Teil meines Jobs, den ich in der Band am meisten liebe: Das viele Reisen und entdecken von fremden Ländern und Kulturen.
Eure Karriere ging ja quasi schon während der Schulzeit los. Euer Abi habt Ihr nun schon länger in der Tasche. Studierst Du denn zwischenzeitlich?
Nein. Wir hatten alle nach dem Abi zwar Studienplätze zugesagt bekommen, nahmen uns aber eine 1-jährige Auszeit. Bevor es dann wieder mit der Uni losgegangen wäre, haben wir einen Plattenvertrag bekommen. Deshalb haben wir das Studium erst einmal zurückgestellt. Ich wollte Französisch studieren. Aber dafür muss ich ja nicht unbedingt zur Uni gehen. Die Sprache kann ich genauso gut direkt in Frankreich lernen, in dem ich für einige Zeit dorthin gehe. Jeder von uns will irgendwann mal einen Uni-Abschluss machen – aber ich denke, dass wir jetzt erst einmal einige Zeit Musik machen werden und sonst nichts.
Denkst Du, dass man heutzutage als Indiemusiker seinen Lebensunterhalt verdienen kann?
Ja, ich denke schon. Wir leben ja keinen extravaganten Lifestyle, deshalb benötigen wir auch nicht viel Geld. Meine Eltern stimmen mir da auch zu. Ich glaube, mein Dad wollte auch schon immer – im tiefsten Inneren seines Herzens – Musiker werden und seinen Lebensunterhalt damit verdienen. Er ist deshalb sehr stolz auf mich und kann unseren Erfolg dadurch auch besser teilen. Er hat mir zudem die Musik nähergebracht, die ich heute höre.
Ihr spielt gerne einmal Akustik-Sets und Euer zweites Album „Flaws“ ist zudem eine reine Akustik-Scheibe. Was magst Du denn persönlich lieber: akustisch oder „unter Strom“ spielen?
Ich mache dabei eigentlich keinen großen Unterschied. Wenn man viele Konzerte am Stück spielt, ist es auch mal schön die ruhigeren Töne anzustimmen und akustisch aufzutreten. Das ganze Spiel geht auch anders herum prima.
War es denn eine Umstellung für Euch nach Eurem Debüt „I Had The Blues But I Shook Them Loose“ Euer Akustik-Album „Flaws“ einzuspielen?
Oh ja, denn die Akustikplatte haben wir in meinem Zimmer aufgenommen. Das war ein großer Unterschied für uns, denn für die Aufnahmen zu unserem Debütalbum haben wir jede Menge Geld für die Miete eines teuren Aufnahmestudios ausgegeben. Beim zweiten Album haben wir dann alles kostenfrei hinbekommen durch die Aufnahmen in meinem Schlafzimmer. Das war viel angenehmer und netter. Die Plattenfirma dachte erst, es sei ein Scherz unsererseits. Wir waren auch selbst sehr überrascht, dass die Platte derart erfolgreich wurde, denn sie war eigentlich nur als ein Spaß bringendes Projekt gedacht. Wir nahmen es selbst nicht so richtig ernst.
Eure Band scheint sowieso sehr produktiv zu sein. Es ist schon beachtlich 3 Alben in nur 3 Jahren aufzunehmen und zu veröffentlichen. Wie kommt das?
Keine Ahnung! Wir werten das nicht als so außergewöhnlich, denn wir gehen total relaxt an die Sache heran. Wir sind auch nicht so im Stress wie andere Bands, da wir nicht so häufig auf Tour gehen. Somit haben wir mehr Zeit, um neue Songs zu schreiben und aufzunehmen. Wir schreiben einfach immer dort, wo wir gerade unterwegs sind, auch an merkwürdigen Orten. Das kommt uns alles aber nicht wirklich schnell vor.
Was war denn der für Dich seltsamste Ort, an dem Du einen Song komponiert hast?
Einmal ging ich gerade eine Straße hinunter und sang etwas vor mich her, dass ich als cool erachtete. Ich hatte allerdings kein Aufnahmegerät parat und dachte, ich würde den Song wieder vergessen haben, bis ich zu Hause wäre. Also habe ich mein Handy aus der Tasche genommen – es war ein altes Modell, auf welchem man seine eigenen Klingeltöne programmieren konnte. Ich bastelte dann einfach einen Klingelton aus meinem neuen Song. Das war der einzige Weg, ihn in diesem Moment festzuhalten. Das war eine lustige Aktion.
Hat es dieser besagte Song jemals auf eines Eurer Alben geschafft?
Leider nein, denn als ich mir den Klingelton zu Hause nochmal anhörte, fand ich ihn nicht mehr so toll. Das sollte nur ein Beispiel sein, wie unser Songwriting ablaufen kann.
Die neue Bombay Bicycle Club Platte kommt Ende August 2011. Noch haben wir nichts davon gehört. Was können wir von Euren neuen Songs erwarten?
Die Lieder sind wieder elektrisch eingespielt worden. Der große Unterschied ist, dass wir mehr Elemente aus der Elektro-Musik in unsere Songs haben einfließen lassen. Ich mache außerhalb der Band nämlich viel Elektromusik für mich alleine. Da ist es ganz natürlich, dass dieser Einfluss auch auf die BBC-Musik auf dem dritten Album abgefärbt hat. Wir haben einige neue Sounds und Samples benutzt und uns ein Paar Elektro-Techniken zu Nutze gemacht. Darin liegt der große Unterschied zu den Vorgängeralben. Auch das Songwriting an sich lehnt sich mehr an der Elektromusik an. Es ist nicht dieses traditionelle >Vers – Refrain – Vers – Refrain< Muster, sondern wir verfolgten eine Idee durch den ganzen Song hinweg. Es geht immer musikalisch hoch und runter anstelle sich Abschnittswechseln in der Liedstruktur zu unterwerfen, eben so wie in der Dance-Musik. Wir nahmen beispielsweise denselben Loop und veränderten die Dynamik innerhalb des Liedverlaufs. Die Songs live zu spielen, ist eine echte Herausforderung – aber daran arbeiten wir gerade noch. Ihr dürft also gespannt sein, was Euch live erwartet.
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