Interview: Flashguns
Im Rahmen ihrer Clubtour trafen wir das blutjunge Trio Flashguns aus London. Die Drei sind erst Anfang 20, haben aber viel musikalische Leidenschaft und interessante Geschichten im Gepäck. Im selbstgezimmerten Tourbus trafen wir Sänger, Gitarrist und Songschreiber Sam Johnston zum Interview.
Sam, wie und wann wurde Deine Leidenschaft für die Musik geweckt?
Als ich noch sehr jung war, hörte ich jede Menge Musik, über die ich aber nicht viel wusste. Meine Eltern haben mich sehr beeinflusst und ich hörte einfach die Musik, die sie hörten und die auch mir gefiel. Ich bin jetzt 21, aber mit etwa 11 Jahren, war ich auf meinem ersten Konzert: bei Michael Jackson. Das Konzert fand in der Wembley Arena in London statt. Das war ein tolles Erlebnis und ich war total beeindruckt, von Michaels Art zu performen. Diese grandiose Live-Musik-Erfahrung hat mich echt gepackt und bestimmt auch ihren Teil dazu beigetragen, dass ich nun Musik mache. Später hab ich dann härtere Sachen gehört und den Blues für mich entdeckt. Ich hab aber auch Led Zeppelin und Jimi Hendrix super gefunden, die mich dazu bewogen haben, Gitarre spielen zu lernen.
Wenn man sich Euer Video zur Single „Passion Of A Different Kind” anschaut, könnte man glatt meinen, Ihr seid große Hunde-Freunde. Ist das so?
Ja, ich liebe Hunde und habe selbst Zwei davon. Meine Familie hatte schon immer Hunde und ich bin mit vielen Tieren aufgewachsen, wie beispielsweise Mini-Ziegen. Meine Mama besitzt eine kleine Farm in Exmoor, Somerset auf der die Ziegen leben. Meine Kindheit hab ich dort und zur Hälfte in London verbracht. Ich liebe beide Extreme: die Ruhe auf dem Land und die Natur und Tiere, aber dann eben auch wieder das Leben in der Stadt und die Musik mit allem Drum und Dran, was dort abgeht. Aber zurück zum Video: bei uns zu Hause auf dem Land lebt ein Mann in der Nähe unseres Anwesens. Er ist Jäger und hat uns seine Hunde für den Dreh zum Video ausgeliehen, was wir echt cool fanden. Diese Hunde sind wundervoll anzusehen, aber auch ganz schön groß.
Wie kam es, dass Ihr Euer erstes Album in einer Scheune in Exmoor aufgenommen habt. Gehört die Scheune Deiner Familie?
Nein, die gehört einem Bekannten von uns. Er hat sie umgebaut und etwas schalldicht gemacht, damit man darin Partys feiern kann. Wir haben die Scheune zwei Wochen in Beschlag genommen und unsere Songs eingespielt. Das hat alles sehr viel Spaß gemacht. Luke Smith, der mit uns ungefähr die Hälfte der Songs aufgenommen hat, hat einfach sein ganzes Studioequipment eingepackt und zu uns in die Scheune gekarrt, da es dort keinerlei Technik gab, die wir hätten verwenden können. Die Scheune ist in etwa so groß wie die Batschkapp hier in Frankfurt, was für einen Aufnahmeraum ziemlich groß ist. Draußen herrschten während der Aufnahmen etwa eiskalte -10°C, denn es war mitten im Winter. Das war schon eine abgefahrene Angelegenheit für uns. Wir haben vorher auch schon in normalen Aufnahmestudios gearbeitet, die natürlich auch cool sind mit all ihren Möglichkeiten. Man kann dort sehr produktiv arbeiten. Aber wir wollten einfach mall raus aus der Stadt und ein Album an dem Ort aufnehmen, an dem ich lebe, die Natur genießen und Spaß haben. Ich denke, das spiegelt sich auch im Sound der Songs wider.
Die Songs auf Eurer ersten EP klingen im Vergleich zu den beiden neuen Singles eher roh und hart. Was können wir denn nun vom ganzen, kommenden Album erwarten?
Die beiden Singles wurden professionell im Studio aufgenommen zusammen mit drei anderen Stücken. In der Scheune in Exmoor haben wir dann nochmal weitere fünf Songs aufgenommen. Die Studioaufnahmen klingen cleaner und sind besser produziert, während die Aufnahmen aus der Scheune recht ungeschliffen und derb daherkommen. Ihr könnt also sowohl polierte Stücke mit einem bombastischeren Popsound als auch erwachsenere Songs als die auf der EP erwarten.
Zwischendurch habt Ihr auch noch die Single „Locarno“ mit Stephen Street aufgenommen, der ja unter anderem schon bei The Smiths, Blur oder den Kaiser Chiefs an den Reglern saß.
Das war eine coole Sache. Er wollte mit uns arbeiten und wir stimmten gerne zu, da auch wir sehr von The Smiths beeinflusst sind. Wir haben den Song auch veröffentlicht, gehen jetzt aber in eine rockigere Richtung als bei „Locarno“, da sich unsere musikalischen Fähigkeiten weiterentwickelt und verbessert haben. Auch unsere Art zu schreiben hat sich verändert. Alles wird energetischer und größer. Wir haben die Idee, unser neues Album zu verkaufen und den Fans einfach die bislang unveröffentlichten und alten Songs, die es nicht auf das Album geschafft haben, als kostenlosen Download zu schenken. Unsere Fans haben sich das verdient! Da wird sicherlich auch „Locarno“ dabei sein. Vermutlich werden wir das Album in GB selbst veröffentlichen, da wir bislang keine englische Plattenfirma haben. Hier in Deutschland haben wir glücklicherweise Humming Records. Wir machen viel selbst, auch wenn wir immerhin ein Management haben. Wir sind echt rastlos und unternehmen viel für Promotionzwecke, auch wenn wir nicht gerade auf Tour sind oder neue Songs aufnehmen. Unser Leben widmen wir wirklich zu 100% unserer Musik. Da sind wir echt old-school.
Und was sagen Deine Eltern dazu?
Meine Eltern sind diesbezüglich echt cool drauf. Sie sind absolute Musikfanatiker. Mein Papa unterstützt uns total. Wir reden oft über Musik und das Business. Er sagte mal zu mir: „Du kannst für drei Jahre auf die Uni gehen und einen Abschluss machen, aber dann vielleicht trotzdem keinen Job finden. Oder Du widmest Dich zwei Jahre voll Deiner Musik und schaust, was dabei rumkommt.“ Ich glaube, ich bin immer noch jung genug, mir nochmal zwei Jahre Zeit zu lassen, bevor ich anfange zu studieren. Ich würde später gerne mal im Musikbusiness arbeiten, aber derzeit spiele ich lieber in meiner Band. Ich würde auch gerne Bands produzieren oder Songs für jemand anderen schreiben, aber dazu muss ich nicht unbedingt zur Uni gehen. Ich habe bereits ein Jahr auf der Uni in London absolviert und es hat mir auch sehr gut gefallen, aber ich benötige keinen Abschluss in Philosophie, um Musik zu machen.
Uns ist aufgefallen, dass Ihr bislang schon oft in Deutschland aufgetreten seid. Liegt das daran, dass Ihr hier ein Label habt?
Teilweise ist es das. Aber wir haben hier auch eine spezielle Fan-Base, wie wir sie in England nicht haben. In Berlin haben wir beispielsweise schon eine größere Show im Lido gespielt, die fast ausverkauft war. In London würden wir solch eine große Location nicht voll bekommen. Die Leute in London sind eher skeptisch und kommen nur zögerlich zu Gigs unbekannter Bands. Ich habe den Eindruck in Deutschland mögen es die Leute eher rockig. Im Radio läuft bei Euch viel amerikanischer Pop und deutsche Rockmusik. Wir mögen es sehr, hier zu spielen und haben mit Humming Records ein super Label, das uns hier Shows bucht und sich um uns kümmert. Während wir weg sind, reißen sie sich den Arsch auf und machen Promo für uns. Das ist toll! Ich liebe Deutschland und denke, dass wir hier unsere Karriere auf eine andere Art und Weise als in unserer Heimat machen. Die Fans waren, als wir vor ca. zwei Jahren zum ersten Mal in Deutschland gespielt haben, gleich begeistert von unserer Musik und die Konzerte haben uns immer viel Spaß gemacht. Und wenn das Wetter mitspielt, kommen uns die Ausflüge nach Deutschland fast wie Urlaub vor.
Kannst Du uns zum Abschluss noch eine skurrile Geschichte erzählen, die Euch auf Tour passiert ist?
Uns ist schon einiges passiert und über ein paar Ereignisse sollte ich an dieser Stelle lieber nicht sprechen. Aber eine harmlose Story kann ich Euch erzählen. Nach dem Konzert im Lido, das im Winter stattfand, haben wir einige Berliner Clubs mit coolen DJs unsicher gemacht. Wir haben bis morgens um 7 Uhr getanzt und gefeiert und sind anschließend bei McDonald’s eingefallen, um zu frühstücken. Ich habe vier Sausage & Egg McMuffins vertilgt, weil ich von der Nacht so ausgehungert war. Anschließend sind wir dann noch zur Wohnung eines Label-Mitarbeiters gefahren und haben Platten gehört und gerockt. So stelle ich mir ein echtes Rock’n’Roll-Erlebnis vor.






















































