Interview: Shonen Knife
Die 3 Ladies von Shonen Knife machen schon länger Punkmusik, als die meisten der hurricanebar-Leser/innen alt sind. 30 Jahre gibt es das Dreigestirn nun schon! Wir trafen Sängerin/Gitarristin Naoko, Bassistin Ritsuko und Schlagzeugerin Emi in Freiburg zum Interview. Neben einigen Details aus ihrem Musikerleben konnten wir den 3 Japanerinnen zudem wertvolle Ausgehtipps für ihre Heimatstädte Osaka und Kyoto entlocken.
Naoko, wie wurde Deine Leidenschaft für westliche Rockmusik geweckt?
Als ich noch zur Schule ging und in der Mittelstufe war, habe ich mir eine Beatles Schallplatte gekauft. Von ihnen war ich total fasziniert und gleichzeitig inspirierten sie mich, selbst Musik zu machen.
Seid Ihr Vollzeitmusikerinnen oder geht Ihr in Eurer Heimat noch anderen Tätigkeiten nach?
Wir sind Vollzeitrocker und können davon ganz gut leben. Wenn sich die CD-Verkäufe durch illegale Downloads und ähnliches jedoch weiter verschlechtern sollten, wären wir allzeit bereit, auch zusätzlich arbeiten zu gehen.
Shonen Knife machen nun schon seit mehr als 30 Jahren Musik. Woher kommt Eure ungebremste Power und Motivation?
Wenn ich vor Publikum auftrete, gibt mir das einen Kick und ich sauge förmlich die Energie der Fans in mich auf. Wenn ich sehe, wie sie sich amüsieren, gibt mir das einen unheimlichen Auftrieb. Am liebsten wollen wir für immer Musik machen und die Rolling Stones in ihrem Band-Dasein übertrumpfen.
Auf der Bühne tragt Ihr immer Kostüme und seid alle 3 im gleichen Look gekleidet. Entwerft Ihr Eure Outfits selbst oder lasst Ihr sie von jemand speziell anfertigen?
Meine kleine Schwester, die in der Ursprungsbesetzung von Shonen Knife gespielt hat, ist Schneiderin. Sie hat zwar mittlerweile die Band verlassen, weil sie geheiratet hat und nach Los Angeles gezogen ist, sie entwirft und fertigt aber bis heute all unsere Bühnenoutfits an.
Euer neues Album „Osaka Ramones“, das im November hierzulande erscheint, wird eine Coverplatte mit Ramones-Klassikern sein. War es schwer, die Rechte für die Aufnahmen der Songs zu bekommen?
Nein, es war relativ einfach, die Freigabe zu bekommen. Wir waren ja auch vor 2 Jahren einmal für CJ Ramone und seine Band bei einem Gig in Tokyo Vorband. Er ist echt ein cooler Typ. Zu unserem 30-jährigen Bandjubiläum haben wir uns vorgenommen, ein Coveralbum mit Ramones-Stücken aufzunehmen, da diese Gruppe unsere Lieblingsband ist, wir sie sehr respektieren und sie schon immer großen Einfluss auf unsere Musik haben.
Wie oft wart Ihr eigentlich schon in Deutschland? Wo erkennt Ihr Unterschiede zu Eurer Heimat Japan?
In den letzten 3 Jahren waren wir jedes Jahr ein Mal in Deutschland. Hier sind die Leute echt nett zu uns und das deutsche Essen schmeckt uns sehr gut. Aber natürlich schmeckt uns auch das Bier besonders lecker. Außerdem finden wir die alten Gebäude und die Architektur, wie beispielsweise hier in Freiburg, sehr drollig.
Kennt Ihr Euch auch in der deutschen Musiklandschaft etwas aus?
Oh ja. Ich mag besonders deutschen Metal sehr gerne wie die Scorpions und Michael Schenker. Ich höre aber auch gerne Kraftwerk. Aus Deutschland kommen viele interessante Künstler.(Anm. d. Red.: Wir haben Shonen Knife empfohlen, sich besser einmal mit aktuellen deutschen Indiebands wie Tomte, Klee oder Anajo zu befassen. Wir konnten sie ja nicht im Glauben lassen, dass die deutsche Rockmusik nur aus o.g. Bands besteht…)
Habt Ihr denn auch eine japanische Lieblingsband, die Ihr uns empfehlen würdet?
Convex Level aus Osaka. Die Band spielt New Wave bis Shoegazer und ist schon seit mehr als 20 Jahren aktiv.
Hier nun der ultimative Guide von Shonen Knife für Osaka & Kyoto:
Orte in Osaka, die Ihr gesehen haben müsst:
Naoko: Shin-Sekai („Neue Welt“) ist ein Viertel in downtown Osaka. Es wurde Anfang 1900 erbaut und hat auch, ähnlich wie Coney Island in New York, einen Vergnügungspark mit Achterbahn, die aber zwischenzeitlich Pleite ging und still gelegt wurde und einen Zoo. Das Viertel ist echt funky, aber leider etwas verlassen und heruntergekommen. Dafür ist die Atmosphäre dort aber sehr relaxed. Man kann dort aber sehr gut und günstig essen. Ich beispielsweise mag Katsu (Anm. d. Red.: paniertes Fleisch – ähnlich einem Schnitzel) sehr gerne.
Ritsuko: Es gibt dort mittlerweile viele Pachinko-Hallen (Anm. d. Red.: Japanisches Automaten-Glückspiel, dem viele nachgehen), in denen es laut und nervig zugeht.
www.shinsekai.ne.jp/en/index.html
Naoko: Der wohl bekannteste und schönste Schrein in Osaka ist der Sumiyoshi Taisha Shrine. Er ist sehr groß und liegt im südlichen Teil der Stadt. Innerhalb dieser Tempelanlage gibt es eine Menge alter Gebäude. Alles wurde in typisch japanischem Stil errichtet. Wir gehen regelmäßig zu Neujahresfeiern und zum Sommerfest dort hin, um für Hoffnung und jedermanns Wohl zu beten. Die Japaner gehören keiner bestimmten Glaubensrichtung an, deshalb kann jeder, egal welcher Religion zugehörig, zu diesem Schrein kommen.
2-9-89 Sumiyoshi,Sumiyoshi-ku
www.osaka-info.jp/en/search/detail/sightseeing_1158.html
Pub/Bar:
Naoko: Hub ist eine englische Pub-Kette. In den Pubs, von denen es in Osaka 2 Stück gibt, kann man neben gutem Bier auch englisches und anderes europäisches Essen bekommen.
Heiwaen-Gebäude, 1. KG, 3-6-4 Namba, Chou-Ku
Namba Oriental Hotel, 3. OG, 2-8-17 Sennichimae, Chou-Ku
www.eok.jp/restaurants-bars/group/chain/hub
Club:
Ritsuko: Das Bears ist eine Livevenue, die sich im Keller eines Gebäudes befindet. Der Laden ist sehr klein und düster, aber gemütlich.
Naoko: Der Besitzer des Bears ist selbst auch Musiker. Er ist ein guter Freund von uns, der viel für die lokale Untergrundszene in Osaka tut. Es spielen immer inter e s sante Bands in seinem Club, so dass ich gerne dorthin gehe.
Nippon Gebäude, 1. KG, 3-14-5 Namba, Naniwa-ku
http://home.att.ne.jp/orange/bears/
Naoko: Das Fandango ist auch ein netter, kleiner Club mit Livemusik. Montags haben sie jedoch geschlossen.
1-17-27 Juso-Honmachi, Yodogawa-ku
http://www.fandango-go.com/jp/jindex.htm
Restaurants:
Ritsuko: Das traditionelle Gericht in Osaka sind Okonomiyaki. Das sind auf einer heißen Platte gebackene Pfannkuchen aus Wasser, Mehl, Ei, Gewürzen und Kohl zu denen nach Belieben Gemüse, Fisch oder Fleisch hinzu gefügt wird. Oberdrauf kommt zum Abschluss Worchester Sauce und japanische Mayonnaise. Bei Boteju bekommt man die besten Okonomiyaki in Osaka.
Comrade DotomGebäude, 2. OG, 1-6-15 Dotombori, Chuo-ku
www.botejyu.com/botejyu/shop/osaka_souhonten.html
Naoko: Die Japaner stehen auf dekorative Werbeanzeigen. Deshalb hat Kanidoraku eine lustige, sich bewegende Riesenkrabbe, die sich direkt über dem Eingang regt, als Markenzeichen. Hier kann man leckere Krabbengerichte oder andere Meeresfrüchte essen. Einmal im Jahr zur Krabbensaison gehe ich auf jeden Fall dorthin zum Essen. Es ist zwar etwas teuer, aber sehr lecker. Normalerweise ist Krabbe essen sehr kompliziert, weil man das Fleisch erst einmal aus der Schale puhlen muss. Bei Kanidoraku ist es aber einfach, denn sie schneiden Dir die Krabbe mundgerecht auf, so dass Du das Fleisch ganz einfach verzehren kannst.
1-6-18 Dotonbori, Chuo-ku
http://douraku.co.jp/kansai/shop/honten/
Plattenläden:
Naoko: Bei King Kong kann man besonders gut Schallplatten kaufen. Der Besitzer des Ladens ist von sehr kreativer Natur und ein guter Freund von uns allen. Er importiert oftmals Schallplatten aus den USA, die man sonst in Japan nicht bekommen kann und verkauft sie in seinem Laden. Den Laden gibt es bereits schon über 30 Jahre in Osaka und es ist immer wieder aufs Neue ein Erlebnis, dort hinein zu gehen und mit dem einen oder anderen Schnäppchen in der Tüte das Geschäft zu verlassen.
Hauptgeschäft (King Kong Stones): Sun-Bowl Gebäude, 1. KG, 2-9-28 Nishi-Shinsaibashi, Chou-ku
www.kingkong-music.com/index.php?main_page=index&sort=3a&language=en
Ritsuko: Time Bomb ist auch ein sehr cooler Plattenladen. Er befindet sich im Keller, um die Ecke von King Kong und dort gibt es vor allem viel Retro-Kram. Von Rockabilly über 60s bis hin zu New Wave und Punk ist die Auswahl bei Time Bomb riesig. Neben CDs gibt es auch eine Menge an Vinyl – gebraucht und neu.
Sun-Bowl Gebäude, 1. KG, 2-9-28 Nishi-Shinsaibashi, Chou-ku
www.timebomb.co.jp/store.html
KYOTO mit Emi
Ein Ort, den Ihr gesehen haben müsst:
Neben all den schönen Tempelanlagen und dem Bambuswald, ist der durch Kyoto fließende Fluss Kamogawa echt sehenswert. Am Fluss entlang gibt es im hübschen Pontocho-Viertel viele kleine Restaurants, die verteilt in engen Gassen liegen. Besonders von den Brücken über den Fluss aus kann man eine schöne Aussicht auf Kyoto genießen.
Club:
Kyoto hat eine gute Szene, was Clubs und Live-Venues angeht. Besonders empfehle ich das Taku Taku. Der Club befindet sich in einem Gebäude, das ursprünglich einmal eine Brennerei für Sake war. Von außen sieht es eher unscheinbar, wie ein traditionelles japanisches Gebäude aus. Im Inneren jedoch ist es ein gewöhnlicher ranziger Rockclub mit einer coolen Bühne.
Eine Übersicht von Live-Venues in Kyoto findet Ihr hier: www.users.on.net/~ukichi/kyotolive.html

































































