An einem lauen Sommerabend im September treffen wir die Toy Horses im Rahmen ihres Konzerts in der Frankfurter Brotfabrik. Sänger Adam Franklin und sein Stiefvater Tom Williams überzeugen uns davon, keine klassische Familienband zu sein. Ihr Debütalbum erschien bereits im Juni hierzulande. Auf eben diesem begeistern uns die beiden Herren aus Wales mit poppigen Melodien, die aber nicht immer so rosige Geschichten erzählen.
Wie seid Ihr zur Musik gekommen?
Adam: Als ich 15 Jahre alt war, habe ich im Fernsehen eine Doku über die Beatles gesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Interesse an Musik und spielte auch kein Instrument. Aber danach kaufte ich mir jede Beatles Platte und begann, mich mit Musik zu beschäftigen. Ich fing an, Schlagzeug zu spielen. Bei den Toy Horses spiele ich allerdings nur Gitarre und Klavier.
Tom: Als ich aufwuchs, spielte ich mit Freunden aus der Schule zusammen Gitarre. Wir hörten damals viel Musik der 60er wie die Kinks oder eben auch die Beatles. Ich habe schon in einigen Bands mitgewirkt, aber diese spielten hauptsächlich Coversongs. Anfangs spielte ich nur zum Spaß Gitarre – der Rest hat sich im Laufe der Zeit entwickelt.
Adam: Vor 2 Jahren fingen Tom und ich damit an, gemeinsam Songs zu schreiben. Ich weiß noch nicht einmal genau warum – wir haben es einfach getan. Dann nahmen wir ein paar Demos auf, die wir einfach nur ins Internet stellten.
Tom: Ziemlich schnell wurden wir dann bei Radio 1 gespielt.
Adam: Ein paar Monate später wurden wir bereits zum South By Southwest (SXSW) Festival nach Austin, Texas eingeladen, weil uns der Amerikanische DJ Nic Harcourt empfohlen hatte. Zu dieser Zeit hatten wir weder ein Management noch ein Plattenlabel.
Tom: Wir hatten bis dahin keine Demos an Plattenfirmen verschickt und waren echt „faule“ Musiker gewesen, die Glück hatten.
Wie vereint Ihr Eure unterschiedlichen musikalischen Einflüsse: Adam (21) als Jungspund und Tom (40) als erfahrener Musikliebhaber?
Tom: Man könnte annehmen, dass ich als Älterer die 60er Einflüsse mit in unsere Musik nehme und Adam hingegen neuzeitliche Klänge einfließen lässt. Aber so ist es nicht. Adam ist ein viel größerer Beatles-Fan als ich es bin.
Adam: Wir beide mögen einfach gut komponierte Lieder.
Tom: Und wir beide lieben Melodien. Adam ist eher der Texter und hat 80% der Songs auf unserem Debütalbum allein getextet.
Adam: Die Melodien unserer Songs klingen sehr fröhlich, die Texte hingegen sind eher tragisch und traurig. Nach ein paar Mal hören, bemerkt ihr sicher auch, dass die Texte einen Unterschied zur Melodie darstellen.
Wie nahm die Toy Horses Story ihren Lauf? Habt Ihr die Musiker, die Euch bei den Aufnahmen Eures Debütalbums geholfen haben, selbst rekrutiert?
Tom: Wir wurden von Ken Coomer, der mal bei Wilco gespielt hat, nach Nashville eingeladen. Er hatte unsere Musik im Internet entdeckt und fragte uns, ob wir gemeinsam mit ihm ein Album in Nashville aufnehmen wollten. Dieses Angebot konnten wir natürlich nicht ausschlagen und flogen in die USA. Wir spielten alle Instrumente für das Album selbst ein bis auf den Bass und das Schlagzeug.
Adam: Am Schlagzeug saßen Ken und Jim Bogois von den Counting Crows. Unser Bassist war Tim Marks, der auch für Taylor Swift spielt und in der Nashviller Countryszene einen guten Ruf hat.
Tom: Adams erstes Mal in einem Aufnahmestudio war dann auch für eben diese Aufnahmen in den 16 Ton Recording Studios in der historischen Music Row.
Adam: Das war schon sehr aufregend, weil wir logischerweise alle in anderen Räumen unsere Instrumente einspielten und zudem mit diesen erfahrenen Musikern zusammenarbeiten durften.
Wie habt Ihr anschließend Eure aktuelle Tour-Band zusammengestellt?
Tom: Wir haben Leute angestellt, die wir kannten bzw. die uns empfohlen wurden. Es war ziemlich einfach, denn es sprach sich schnell herum, dass wir Leute suchten und bereits einen guten Ruf hatten.
Was sagte Deine Mutter (Adam) bzw. Lebensgefährtin (Tom) dazu, dass Ihr zusammen eine Band gegründet habt?
Tom: Das hat sie gar nicht negativ berührt. Sie ist sogar sehr glücklich damit, da sie als unsere Tourmanagerin arbeitet und ständig mit uns auf Achse ist. Sie hat schon vorher als Managerin im Musikbusiness gearbeitet, was uns natürlich jetzt sehr zu Gute kommt.
Adam: Auch wenn die Familie so viel zusammen unterwegs ist, hängen wir nicht ständig aufeinander. Da gibt es noch 5 andere Personen im Tourbus. Tom und ich sind ja auch genau genommen gar nicht miteinander verwandt. Da sind Oasis oder die Kings Of Leon eher eine Familienband. Tom schreibt mir auch nicht vor, was ich tun und lassen soll. Er ist schließlich nicht mein Vater, sondern ein guter Kumpel.
Wie wird es mit den Toy Horses weitergehen? Habt Ihr schon konkrete Pläne?
Tom: Wir wollen gerne zurück nach Deutschland kommen, um weitere Konzerte zu spielen. Wir haben eine Deutsche Plattenfirma, die uns dabei unterstützt. Die aktuelle Tour war fantastisch und wir haben gute Reviews für unser Album bekommen. Hier läuft es wirklich gut für uns.
Adam: Zu keiner Zeit unserer bisherigen Bandgeschichte haben wir ein bestimmtes Ziel verfolgt. Wir haben nicht krampfhaft probiert, irgendetwas zu erreichen, sondern haben uns dem Schicksal hingegeben. So wollen wir es auch weiterhin tun.
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