Interview und Ticket-Verlosung: Retro Stefson

Die wohl abgefahrenste (Schüler-)Band aus Island sind derzeit Retro Stefson, die schon mit Songs wie „Kimba“ und „Mama Angola“ im Heimatland für Aufsehen sorgten. Mit einer Mischung aus afrikanischen Klängen, Rocksounds, Partystimmung und südländischem Flair spielten sich die 7 Musiker auch in unsere Herzen. Wir trafen Sänger Unnstein, dessen Mama aus Angola und Papa aus Portugal stammen, und Publikumsbespaßer Haraldur im Rahmen des Iceland Airwaves Festivals in ihrer Heimatstadt Reykjavik an einem kühl-nassen Donnerstag-Nachmittag im Center Hotel Plaza. Bei einer Tasse heißem Kaffee standen uns die beiden Jungs Rede und Antwort.

Unsere Interviewpartner Unnstein und Haraldur von Retro Stefson

Wie kommt es, dass Ihr als isländische Band auf einem deutschen Plattenlabel (Universal Deutschland) seid?
Unnstein: Wenn Musik importiert wird, liegt der Fokus immer auf englischen oder amerikanischen Bands. Fiete, ein A&R von Universal Music hat uns mal beim Iceland Airwaves spielen sehen, weil das Festival genau solche Leute dazu einlädt, hier neue Bands zu scouten. Deutschland ist ein großer Musikmarkt, vergleichbar mit den USA oder UK. Deshalb haben wir nicht lange gezögert, als man uns einen deutschen Plattenvertrag anbot. Es geht uns nicht darum, berühmt zu werden, sondern einfach Erfahrungen zu sammeln.
Haraldur: Zunächst war es ein Schock, dass so eine riesige Plattenfirma auf uns zugekommen ist.
Unnstein: Wir haben den Vertrag direkt in Berlin bei Universal unterschrieben. Das Gebäude von Universal ist echt schön und groß und die Büros sind beeindruckend. Hier in Island haben wir keine großen Plattenfirmenbüros. Da spielt sich alles eher im Hinterzimmer ab.
Haraldur: Wir haben sogar einen Monat lang in Berlin im Hotel Michelberger, nahe der Universal-Büros, gewohnt. Dort gibt es das beste Frühstücks-Büffet in ganz Deutschland, inklusive delikatem Lachs.

Wie würdet Ihr selbst Euren Sound bezeichnen?
Unnstein: Ich würde den Sound gar nicht beschreiben wollen. Hört ihn Euch einfach an. Es ist aber definitiv tanzbare Musik. Ich mag den Sound nicht umschreiben, sonst wird er in eine bestimmte Schublade gesteckt und dann müssten wir für den Rest unseres Lebens eben diese Musikrichtung spielen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, solch eine Art von Musik zu machen?
Unnstein: Wir wollten einfach etwas Neues machen. Wenn ich etwas kopieren würde, was eine andere Band schon gemacht hat, kann ich auch gleich eine Coverband gründen. Es ist für uns sehr wichtig, etwas Originelles zu machen. Björk beispielsweise ist auch so eine Künstlerin, die immer etwas Neues macht. Hin und wieder wird sie kopiert, aber ihre Genialität wird nie erreicht werden. Für Kinder ist es schwer an ihre Musik heran zu kommen – aber mit den Jahren haben auch wir sie zu schätzen gelernt.

Retro Stefson live in Reykjavik, Iceland Airwaves Festival im Kex Hostel

Was waren Eure größten musikalischen Vorbilder zu Teenager-Zeiten?
Unnstein: Diesen Afrobeat-Typ namens Fela Kuti fing ich erst spät – mit 17 oder 18 – an zu hören. Ich wollte mich damals aufgrund der Herkunft meiner Mutter mehr mit afrikanischer Musik beschäftigen. Ich mag diese Art von Musik sehr. Aber ich mag auch jazzige Sounds, die Ecken und Kanten haben und nicht loungig sind. Als ich klein war, haben wir zu Hause viel portugiesische Musik wie Fado gehört. Und ein bisschen Samba. Als ich dann mit 18 Jahren angefangen habe, als DJ aufzulegen, kam noch das Interesse an Dance-Music hinzu.

Wir haben bemerkt, dass Ihr schon mehrere Male in Folge auf dem Iceland Airwaves Festival gespielt habt. Habt Ihr denn eine besondere Verbindung zu dieser Veranstaltung?
Unnstein: Als wir zum ersten Mal zum Iceland Airwaves eingeladen wurden, waren wir noch in der Mittelstufe. Zu dieser Zeit hatten wir keinen festen Schlagzeuger und mussten uns erst einmal einen suchen. So fiel die Wahl auf Gylfi. Anschließend haben wir unser Bestes gegeben und viel geprobt, um einen guten Eindruck beim Festival zu hinterlassen. Wenn es dieses Festival nicht geben würde, würden wir und viele andere Bands vielleicht gar nicht mehr existieren oder in unserer Routine versinken.

Worauf freut Ihr Euch beim diesjährigen Festival am meisten?
Haraldur: Wir haben vorher noch nie im Art Museum gespielt. Das wird unsere diesjährige Premiere.
Unnstein: Zudem müssen wir in diesem Jahr erstmalig nicht nach unseren Auftritten am Stand stehen, um unsere Platten unters Volk zu bringen. Das ist nicht so nervenaufreibend. Im Gegenteil sogar: Die Journalisten kommen zu uns und bitten uns um Interviews. Gestern haben uns andere Bands bereits sogar ihre Promo-CDs in die Hände gedrückt.
Haraldur: Ja, das war echt spaßig für uns!
Unnstein: Ich tue mich immer recht schwer damit, für unsere Band Promo zu machen. Ich bin immer recht gehemmt darin, die Leute anzusprechen. Mein Bruder allerdings geht darin vollkommen auf: Heute Mittag im Nordic House beispielsweise hat er nur so mit CDs von uns um sich geschmissen, um zum Beispiel den Promoter vom Roskilde Festival von uns zu überzeugen. Ich blieb jedoch lieber im Hintergrund.

Was können die deutschen Fans von Eurer anstehenden Tour im November erwarten?
Unnstein: In Frankfurt werden wir unser drittes Konzert im Rahmen dieser Tour spielen, so dass wir sozusagen schon warmgespielt sind.
Haraldur: Das Publikum kann sich schon mal auf jede Menge Spaß einstellen!
Unnstein: Wir werden wahrscheinlich sogar ein Bühnenbild am Start haben.
Haraldur: Die Leute sollten nicht zu viele Klamotten anziehen.
Unnstein: Vor allem aber sollten sie ein extra T-Shirt mitbringen. Nach der Show sammeln wir nämlich dann die verschwitzten T-Shirts unserer Besucher ein.
Haraldur: Wenn das Publikum in Stimmung ist, dann werde ich eine Polonäse durch die Halle anzetteln.

Wer sich dieses lustige Liveerlebnis nicht entgehen lassen mag, hat  bald die Möglichkeit, Retro Stefson auf den Bühnen des Landes zu sehen. Ihre Tourdaten für die kommende Deutschland-Reise sehen so aus:

09.11.2011      Hamburg, Molotow
10.11.2011      Münster, Gleis 22
11.11.2011      Frankfurt, Das Bett
12.11.2011      Stuttgart, Pop.Notpop Festival
13.11.2011      Köln, Gebäude 9
03.12.2011      Berlin, Festsaal Kreuzberg

 

Für das Konzert am 11.11. in Frankfurt verlost hurricanebar.de 3 x 2 Tickets.

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