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Interview: Treefight For Sunlight

Dank einem Dänischen Schuhhersteller und dessen Sommerkollektions-Werbespot sind Treefight For Sunlight aktuell mit ihrem Song „Facing The Sun“ in aller Ohren. Die 4 smarten Dänen, allesamt (Ex-)Kindergärtner, mischen gekonnt verspielte Klänge von Kinderinstrumenten mit Indiepop. Ihr Debütalbum „A Collection Of Vibrations For Your Skull“, dessen Cover eine Wassermelone ziert – im Inneren befindet sich lustigerweise eine Scheibe Melone, erschien bereits 2010. Wir trafen Sänger/ Bassist Christian Rohde Lindinger und Gitarrist Morten Winther Nielsen zum Interview.

(c) Anika Mottershaw

Jungs, wie habt Ihr Eure Leidenschaft für Musik entdeckt?
Morten: Als ich noch ein Kind war, habe ich oft eine Little Richard Platte gehört und versucht, das Gleiche wie er zu tun.
Christian: Hattest Du nicht auch eine Greatest-Hits-Platte mit allen möglichen Soulklassikern?
Morten: Ja, das stimmt. Ich mag nämlich auch alte Soulmusik wahnsinnig gerne wie Otis Redding und Aretha Franklin. Ich bin damals durch den Film „Blues Brothers“ auf diese Art von Musik aufmerksam geworden. Zudem hat mein älterer Bruder zu dieser Zeit schon Musik gemacht und alte Sachen von den Beatles gehört. Diese Musik hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Christian: Bei mir kam die Leidenschaft durch meinen Vater, der eine große Schallplattensammlung hat. Ich durfte die Platten als Kind nicht anfassen, denn wenn man klein ist, hat man ja meistens schmierige Finger und mein Papa wollte auf seine guten Stücke aufpassen. Ich durfte mir aber Musik wünschen, die er anschließend für mich auflegte. Ich war damals ganz in die Beatles- und Dire Straits-Alben vernarrt. Meine Mutter hingegen hörte gerne und oft beim Putzen Musik von Kate Bush. Das hat mir auch immer gefallen. Dazu spielt sie auch noch Klavier, was mich ebenfalls beeindruckte.

Bevor sich das Musik machen für Euch gelohnt hat, habt Ihr als Kindergärtner gearbeitet. Hat diese Arbeit in irgendeiner Art und Weise Euren Musikstil beeinflusst?
Morten: Wir haben sogar einige unserer Stücke im Kindergarten aufgenommen.
Christian: Wir haben für die Aufnahmen den Kindergarten ein Wochenende lang angemietet und unser Studio darin aufgebaut. Es war sehr gemütlich und heimelig. Wir haben sogar dort übernachtet und uns dänische Kinderplatten angehört. Nachts dort zu sein, war schon etwas schräg.
Morten: Wir mussten und wollten dort übernachten, denn es gab um diese Zeit herum viele Einbrüche und wir wollten unser Equipment bewachen.

Könnt Ihr denn mittlerweile alleine vom Musizieren leben?
Christian: Zeitweise klappt es ganz gut. Wenn wir den Jahresscheck der dänischen GEMA bekommen und unsere Airplays und Livedarbietungen vergütet bekommen, kommen wir damit ganz gut über die Runden. Aktuell machen wir aber aufgrund der Spotify-Sache einiges an Verlust. Ich habe so den Eindruck, dass sie sich nicht wirklich für die Rechte der Künstler einsetzten. Alles soll eine Entwicklung darstellen, aber ich denke eher, dass es in die falsche Richtung geht.
Morten: Aktuell ist das Spielen auf Festivals und das Touren eine Mischung aus Urlaub und Business für uns. Wir spielen viele Konzerte und hoffen, damit neue Leute für unsere Musik zu begeistern.

Ihr spielt seit 1,5 Jahren als Band live zusammen und wart am Anfang auf der Bühne eher schüchterne Gesellen. Hat sich das zwischenzeitlich verändert?
Christian: Wir sind nach dieser Zeit viel selbstbewusster auf der Bühne geworden. Als wir damals das Album aufnahmen, haben wir uns keine Gedanken darüber gemacht, wie und ob man die Musik live umsetzen kann. Als wir dann üben mussten, das Album auf die Bühne zu transferieren, gestaltete sich das für uns als sehr schwierig, weil wir es uns selbst nicht leicht gemacht hatten mit den Chor-Arrangements usw. Aber wir haben es hinbekommen. Zunächst jedoch waren wir live total nervös und unsicher.
Morten: Wir haben fast ein halbes Jahr lang mit dem Live-Spielen gekämpft bevor alles richtig geklappt hat.
Christian: Mittlerweile aber haben wir so viel Erfahrung gesammelt, dass das Spielen für uns fast zur Routine geworden ist. Den Spaß an der Sache erfahren wir aber bei jedem Auftritt aufs Neue.

Christian & Morten von Treefight For Sunlight beim Interview

Ihr covered live den Song „Wuthering Heights“ von Kate Bush. Hat das etwas mit Deiner Mutter, Christian, zu tun? Es hätte doch bestimmt einfachere Songs gegeben, die sich eignen.
Christian: Das hat nicht zwingend etwas mit meiner Mutter zu tun. Wir mögen den Song einfach. Er hat etwas ganz Besonderes – dieses nostalgisch-kindische Gefühl. Immer, wenn ich den Song anhöre, fühle ich mich sofort glücklich. Das alleine gibt dem Song schon eine gigantische Bedeutung. Wir haben den Song während der Album-Aufnahmen in unserer Wohnung gehört und uns an unsere Jugend zurück erinnert, ohne den Titel des Songs zu kennen. Wir haben ihn schließlich heraus gefunden und bemerkt, dass ich ihn trotz seiner Höhen ganz gut singen kann. Wir brauchten noch ein Cover, um unser Liveset auszufüllen und sind dann bei „Wuthering Heights“ hängen geblieben. Unser Album ist nur 35 Minuten lang und da man manchmal 45 Minuten füllen muss, entschieden wir uns, den Titel mit auf unsere Setlist zu nehmen.
Morten: Wir spielen den Song gerne live und sind immer total auf die Reaktion des Publikums gespannt, denn normalerweise singen Männer ja nicht solch hohe Stimmlagen.
Christian: Im ersten Moment des Songs fangen die Leute oft an zu lachen, aber dann hören sie gespannt zu.
Morten: Ich denke in den meisten Fällen kommt er gut an.
Christian: Es gibt bestimmt einfachere Lieder zum Covern. Für unsere nächste Tour denken wir uns wieder etwas Neues aus, denn langsam haben wir genug von dieser Nummer. Wir wollen uns selbst wieder einmal neuen Herausforderungen stellen.

Habt Ihr denn schon neues Material für das anstehende Album zusammen getragen?
Christian: Ja, wir arbeiten fleißig an unserem zweiten Album. Es geht gut voran, worauf wir sehr stolz sind.
Morten: Wir hoffen, dass es im Herbst 2012 auf den Markt kommt und wir es im Sommer fertigstellen können.
Christian: Zum Glück haben wir keinen großen Zeitdruck, denn das Album wird bei dem Label „Tambourhinoceros“ unserer Freunde erscheinen, die uns nicht ständig im Nacken sitzen. Sie haben 2010 gerade angefangen, als wir unser Debütalbum fertig gestellt hatten. Wir waren damals die erste Band, die sie unter Vertrag genommen haben.

 

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