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Interview: Kasabian

Am letzten Wochenende spielten Kasabian noch vor einer riesigen Menschenmenge bei den Mega-Festivals Rock am Ring und Rock im Park bevor sie sich anschließend auf eine Mini-Club-Tour in 3 deutsche Städte begaben. Wir trafen gestern Drummer Ian Matthews kurz vor dem Kasabian-Auftritt im brandneuen Frankfurter Gibson, dem ehemaligen Zeil-Kino. Unser letztes Zusammentreffen liegt bereits 5 Jahre zurück. Ian kann sich aber noch gut an unser Interview mit ihm für den „Indie Travel Guide“ erinnern und freut sich gleichzeitig über unser Buch-Geschenk. Wir sinnieren bei einer Cola über Strand-Urlaube, Rumcocktails und die Queen während Tom Meighan im Nebenraum duscht (Anm. d. Red.: Nein, er singt NICHT unter der Dusche…).

Ian, wie fühlst Du Dich nachdem Ihr nun schon einige Zeit für Euer aktuelles Album „Velociraptor!“ auf Tour seid?
Generell gehen wir immer mit einem Album für 18 Monate auf Tour. Wir sind nun also fast durch. Die Tour lief bislang fantastisch und wir bekamen viele positive Rückmeldungen. Wir haben alle gerade noch einen totalen Höhenflug und viel Energie. (In diesem Moment stolpert Sänger Tom Meighan mit seinem Trolley an uns vorbei, entschuldigt sich für die Interview-Störung und verschwindet im Bad nebenan).

Spielst Du persönlich lieber Clubgigs wie heute Abend im Gibson oder bevorzugst Du große Spielstätten wie Festivalbühnen und Stadien?
Beides hat seine Vorzüge. Clubkonzerte, wie dieses heute Abend, haben natürlich den klischeehaften Bonus, intim zu sein. Für die Fans ist es natürlich auch toll, eine Band in einem derartigen Rahmen live sehen zu können.  Für uns ist es ebenfalls wunderbar, die Leute so nah bei uns zu haben und die Hitze des Publikums zu spüren. Wir haben aber auch schon riesige Arenen und Hallen gespielt, während wir mit Bands wie U2 und Oasis auf Tour waren. Auch bei unseren eigenen Shows in großen Hallen ist es für uns immer ein besonderer Kick, auf die Bühne zu gehen und 10.000 bis 100.000 Leute ausflippen zu hören. Ich mag beide Arten von Auftritten.

Gibt es für Dich als Schlagzeuger auf der Bühne einen gefühlten Unterschied zwischen den Clubs und den Megaevents?
Für mich ist vor allem ein großer Soundunterschied zu erkennen. Wenn man in einem Club wie dem Gibson spielt, kann man den Ton besser kontrollieren. Auf einer großen Bühne fühlt es sich jedoch immer so an, als ob der Sound irgendwo im Nirwana verschwindet, was er offensichtlich nicht tut. Aber diesen Eindruck bekomme ich einfach, wenn ich auf der Bühne bin. Für mich ist es wahrscheinlich nochmal anders, da ich im hinteren Teil der Bühne an meinen Drums sitze. Ich spiele da sozusagen in meiner eigenen, kleinen Welt auf der Bühne. Die Interaktion zwischen uns Musikern auf der Bühne ändert sich aber nie. Für uns ist es also der gleiche Output, egal, ob wir nun vor einem kleinen Publikum oder vor 50.000 Fans spielen.

Ian und sein "Indie Travel Guide" mit Tipps für Bristol

Du kannst aber immer von der gleichen guten Stelle, die Aussicht von der Bühne genießen.
Ja, speziell bei Outdoor-Festivals kann ich meine Blicke in die Ferne schweifen lassen und sehe schöne Berge und hügelige Landschaften am Horizont. Die schönste Zeit für mich auf Festivals zu spielen, ist die Uhrzeit, zu der die Sonne gerade untergeht. Dann fängt man genau den wundervollen Zeitraum ein, zu dem der Himmel von Sonnenlicht über Sonnenuntergang zur Dunkelheit hin wechselt. Das kann für mich ganz schön bewegend sein, da es so toll ist. Das ist bei Open-Air-Auftritten natürlich immer eine andere Angelegenheit als bei Hallenshows – aber es ist nicht minder bedeutend.

 

Wir haben in einem großen, britischen Musikmagazin gelesen, dass sich Tom nicht gerade sehr positiv über Euren Supportslot auf der letzten U2 Stadiontour geäußert hat. Was genau war denn so furchtbar daran, mit dieser Mega-Band auf Tournee zu sein?
Das ist ganz einfach: U2-Fans gehen natürlich auf die Konzerte, um eben U2 live zu sehen. So ist das nun einmal! Aber die Jungs von U2 haben sich gut um uns als ihre Supportband gekümmert. Sie haben uns die Möglichkeit gegeben, in diesem Umfeld aufzutreten. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Aber es ist nun mal so, wenn man als Vorgruppe für eine solche Band spielt, dass man es nicht leicht mit ihren Fans hat. Wir haben trotzdem neue Freunde gewonnen und es gab auch Leute, denen unsere Musik gefallen hat. Man muss so etwas als Band einfach mal erlebt und durchgezogen haben. Wir sehen das ja auch bei unseren Supportbands: Manche überzeugen die Masse und Andere schaffen es nicht so gut, Stimmung zu machen. Nichts desto trotz ist es ihr Job, am frühen Abend die Menge anzuheizen. (In diesem Moment sind wir etwas irritiert: Tom Meighan föhnt sich im Hintergrund die Haare…)

Würdet Ihr denn noch einmal als Supportband solch eine Megatour spielen?
Ich weiß es nicht. Das hängt sicherlich auch davon ab, wie die Angebote aussehen und wie die Verhandlungen zwischen den Managements verlaufen. Wenn ein Angebot kommt, das in unseren Zeitplan passt und wir uns auch mit der Band arrangieren können, würden wir sicherlich nicht nein sagen. Zum Glück dürfen wir das immer noch selbst entscheiden und da wir als Band die gleichen Interessen verfolgen, fällt uns die Entscheidung auch nicht schwer.

Hattet Ihr denn kein Angebot, zum Thronjubiläum der Queen Anfang dieser Woche aufzutreten?
Nein, ich habe zumindest von keinem solchen Angebot gehört. Ich hätte aber erwartet, dass wir solch ein Angebot nicht ausgeschlagen hätten. Das wäre eine absolut große Ehre für uns gewesen. Wir hätten die königliche Familie aber bestimmt mit unserer Musik in einen Schockzustand versetzt. Ich denke das, was der Queen dort serviert wurde mit Elton John, Kylie Minogue, Paul McCartney, Tom Jones usw. war schon ziemlich angemessen. Wir hätten ja sowieso keine Zeit gehabt, da wir zu der Zeit bei Rock im Park gespielt haben.

Zwar nicht live bei der Royal Family aber dafür in royal Frankfurt

Freust Du Dich denn schon auf Eure nächsten Album-Aufnahmen?
Ich freue mich schon darauf, aber aktuell ist erst einmal die Tour wichtiger, die uns noch bis zum Ende des Jahres beschäftigen wird. Das liegt alles für mich noch in ferner Zukunft, da es wohl erst Anfang nächsten Jahres wieder ins Studio gehen wird. Vorher werden wir uns dann auch wieder aufs Schreiben konzentrieren müssen. Sergio denkt zwar konstant über neue Stücke nach und hat brillante Ideen, aber wir sind mental während der Tour noch bei unserem aktuellen Album „Velociraptor!“

Sergio übernimmt bei Kasabian derzeit das Songwriting. Hast Du denn schon einmal darüber nachgedacht, ebenfalls einen Song zu komponieren und texten?
Ich habe darüber schon einmal im Stillen nachgedacht, aber meine Stärken liegen eben im Schlagzeugspiel. Sergio ist ein unglaublich guter Songwriter und verleiht Kasabian einen einzigartigen Sound. Er ist der Anführer, wenn es um das kreieren einer neuen Nummer geht – da würde ich mich auch nicht einmischen wollen. Tom schreibt auch sehr gute Lieder und unser Keyboarder Ben arbeitet ebenfalls für sich selbst an Stücken. Es gibt somit auch andere in der Band, die am Songwriting teilhaben, aber Serge ist das Herzstück von Kasabian. Mein Part ist eben das Arrangieren und Anpassen meiner Schlagzeugkunst an unsere Musik. Wenn wir nicht auf Tour sind, jamme ich jedoch gerne mit meinen Freunden im Pub oder spiele etwas vor mich hin. Das ist für mich auch eine Art von Songwriting. Aber richtige Popsongs zu komponieren, ist nicht wirklich mein Ding. Vielleicht gibt es ja mal irgendwann eine experimentelle Jazz-Drum-Platte von mir. Das kann ich für die Zukunft nicht ganz ausschließen. Ich bin ja noch jung.

Ups, falsche Tür!!

Anschließend gibt es noch ein wenig netten und herzlichen Smalltalk mit Ian, Tom und den Tourbegleitern bevor wir „rausgeschmissen“ werden, da es nur noch 1 Stunde bis Stagetime ist und sich die Jungs mental vorbereiten müssen. (Die Einen müssen sich warm spielen, die anderen warm trinken.) Kasabian stehen um Punkt  21 Uhr auf der Bühne und liefern eine grandiose, schweißtreibende Show im ausverkauften Gibson-Club, der seine erste offizielle Konzert-Feuertaufe gut übersteht. Band und Publikum taumeln gleichermaßen glücklich aus der Halle und lassen den Abend bei der anschließenden After-Show-Disko im Zoom ausklingen.

 

Manuel Schreiner

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